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Bandvagn 206
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Der Bandvagn 206 (Bv206)cite-ref-techdata-a-1-0[1] ist ein schwimmfĂ€higes Mehrzweckfahrzeug mit Kettenlaufwerk der schwedischen Firma HĂ€gglunds, die zum britischen RĂŒstungskonzern BAE Systems gehört. Er wurde als GelĂ€ndefahrzeug mit amphibischen Eigenschaften fĂŒr schwieriges, mooriges, vereistes und gebirgiges GelĂ€nde entwickelt und besteht aus zwei gelenkig verbundenen Einheiten mit je zwei Raupenketten. Es kann bis zu 17 Personen transportieren â 6 im Vorderwagen und 11 im Hinterwagen. Der Hinterwagen kann auch zum Materialtransport genutzt werden.
Der Name Bandvagn steht fĂŒr die schwedischen Wörter Band fĂŒr Kette und Vagn fĂŒr Wagen. Er ist bislang (Stand: 2006) ĂŒber 11.700-malcite-ref-2[2] gebaut worden und wird weltweit eingesetzt.
Contents
âą Entwicklung
âą Aufbau Bv 206
âą Bewaffnung
âą Deutschland
âą Finnland
âą Frankreich
âą Italien
âą Kanada
âą Niederlande
âą Norwegen
âą Ăsterreich
âą Schweden
âą Spanien
âą Technische Daten
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entwicklung
Die UrsprĂŒnge des Bv206 begrĂŒnden sich auf Forderungen des schwedischen MilitĂ€rs fĂŒr ein extrem gelĂ€ndegĂ€ngiges, schwimmfĂ€higes und schneetaugliches Transportfahrzeug als Ersatz fĂŒr den Studebaker M29 Weasel aus US-amerikanischer Produktion. So suchte das schwedische Beschaffungsamt Försvarets materielverk (FMV) Mitte der 1950er-Jahre nach einem Nachfolger und beauftragte Volvo Ende 1961 zur Produktion des Bandvagn 202.
Ab 1970 suchte das FMV nach einem Nachfolger fĂŒr den 202 und schrieb 1971 einen Entwicklungsvertrag aus, um den sich mehrere Unternehmen bewarben. Nach einem dreijĂ€hrigen Auswahlverfahren wurde 1974 das Unternehmen HĂ€gglund & Söner mit der Entwicklung beauftragt. Gefordert war der Einsatz zu jeder Jahreszeit in der Topografie Schwedens. Dies bedeutete Ăberschneetauglichkeit, SchwimmfĂ€higkeit und GelĂ€ndetauglichkeit mit hoher Steig- und KletterfĂ€higkeit bei gleichzeitig hoher Beweglichkeit, um anderen motorisierten VerbĂ€nden folgen zu können, sowie einen Einsatz auch bei Temperaturen von â40 °C.
Der von HĂ€gglund & Söner entwickelte Prototyp des Bandvagn 206 wurde in einem vierjĂ€hrigen Truppenversuch ĂŒberprĂŒft, wobei durch das MilitĂ€r auch die Betriebskosten im Vergleich zum Bv202 ermittelt wurden. 1979 beauftragte FMV das Unternehmen, seit September 2004 BAE Systems HĂ€gglunds AB, mit der Serienproduktion von vorerst 3500 Fahrzeugen mit einem Auftragsvolumen von 800 Millionen schwedischer Kronen.cite-ref-3[3]
Aufbau Bv 206
Der âHĂ€gglundsâ oder All-Terrain-Vehicle ist ein lufttransportfĂ€higes Laufbandfahrzeug. Vorder- und Hinterwagen sind durch eine hydraulische Knicklenkung verbunden. Sie verĂ€ndert die Stellung des Vorder- und des Hinterwagens zueinander und ermöglicht so ein Lenken des Gespanns. WĂ€hrend regulĂ€re Kettenfahrzeuge ĂŒber unterschiedliche Umfangsgeschwindigkeiten der Ketten eine RichtungsĂ€nderung vornehmen, erfolgt das Lenken bei einem Bandvagn ĂŒber das VerschrĂ€nken von Vorder- und Hinterwagen zueinander, Ă€hnlich wie bei einem Radlader. Bei dem Hinterwagen handelt es sich also nicht, wie man irrtĂŒmlicherweise annehmen könnte, um einen AnhĂ€nger, sondern um einen festen Fahrzeugbestandteil, ohne den das Fahrzeug nicht fahrbar ist.
Der Antrieb des Vorderwagens wirkt dabei auch auf die Ketten des Hinterwagens. Die mit einem Ăberrollschutz versehenen Kabinen des Bv 206 bestehen aus einem schwer entflammbaren glasfaserverstĂ€rkten Kunststoff, der durch vier Gummipolster gefedert mit dem Fahrgestellrahmen verbunden ist. Gegen tiefhĂ€ngende Ăste können die HĂ€gglunds mit einem Astabweiser an der Fahrzeugfront ausgestattet werden. FĂŒr WaffentrĂ€ger gibt es eine Option mit Planenverdeck. Zur Erhöhung der TransportkapazitĂ€t kann das Gespann mit einem speziellen schwimmfĂ€higen 2-Achs-AnhĂ€nger versehen werden.
Bei der gepanzerten Version Bv206S wurden die WagenkĂ€sten hingegen vollkommen ĂŒberarbeitet. Gefertigt aus Panzerstahl bieten diese Schutz gegen Hartkernmunition im Kaliber 7,62 Ă 54 mm R und Artilleriesplitter. Das Fahrzeug wurde mit einer ABC-Schutzanlage ausgestattet und verfĂŒgt ĂŒber eine Klimaanlage. Trotz einem Mehrgewicht von 500 kg bleiben die Schwimm- und die LufttransportfĂ€higkeit erhalten.
Alle Varianten des Fahrzeugs können als Innenlast in einer Reihe von Transportflugzeugen oder als AuĂenlast an Transporthubschraubern transportiert werden. Ăbersteigt das Gewicht bei Hubschraubern die fliegbare Masse, können die Bandvagn geteilt und einzeln geflogen werden.
Antrieb und Laufwerk
Die ersten HĂ€gglunds der schwedischen StreitkrĂ€fte wurden durch einen Ottomotor von Ford angetrieben. Der auch im Granada eingesetzte V-6-Motor hatte eine Leistung von 100 kW aus 2,79 Litern Hubraum. Nachfolgende Modelle erhielten je nach Nation ab 1982 5-Zylinder-Dieselmotoren des Typs OM 617.957 mit einer Leistung von 92 kW bei 4350/min oder Sechszylinder-Dieselmotoren des Typs OM 603.950 mit einer Leistung von 100 kW bei 4600/min von Mercedes-Benz. Sie wurden als Bv 208 bezeichnet und im Export als Bv 206D vermarktet. Die Höchstgeschwindigkeit betrĂ€gt 50 km/h an Land und 3 km/h zu Wasser. Die KraftĂŒbertragung ĂŒbernimmt ein Automatikgetriebe von Mercedes-Benz. Das W4A-040 hat vier VorwĂ€rtsgĂ€nge und einen RĂŒckwĂ€rtsgang.
Die gepanzerte Variante Bv206S wurde vom Hersteller mit einem 6-Zylinder-Monoblock-Dieselmotor M16 von Steyr ausgestattet. Er leistet 130 kW aus 3,2 Litern Hubraum und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 52 km/h auf StraĂen und 4,7 km/h im Schwimmbetrieb. Als KraftĂŒbertragung wĂ€hlte man das von Daimler-Benz stammende W5A-580-Automatikgetriebe mit fĂŒnf VorwĂ€rts- und zwei RĂŒckwĂ€rtsstufen.
Das Fahrgestell der Bv206 besteht aus je einer gleichen Laufwerksgruppe unter Vorder- und Hinterwagen. Diese setzt sich zusammen aus Hauptrahmen, zwei Stahlblattfedern und zwei Kettenlaufwerken. GegenĂŒber einem ĂŒblichen Kettenfahrzeug mit Laufrollen hat der Bv 206 aus Aluminium gefertigte LaufrĂ€der. Diese sind je mit einem Tragarm verbunden und am Laufrollenrahmen befestigt. Als Kette dient ein mit Stahleinlagen verstĂ€rktes Gummi-Endloslaufband mit 128 FĂŒhrungszapfen, das durch ein Laufbandrad gefĂŒhrt wird. Die Antriebskonstruktion erlaubt eine SteigfĂ€higkeit von 45° (100 %) auf festem Untergrund und 13,5° (24 %) bei schneebedeckten OberflĂ€chen.
Bewaffnung
In der Zivilvariante unbewaffnet, wurde der Bv206 fĂŒr das MilitĂ€r nachtrĂ€glich mit Waffen versehen. So finden sich je nach Version verschiedene Lösungen, ein Teil auch als Truppeneigenbau, die oft eine Ăbergangslösung darstellten. Als Bewaffnung wird die ganze Palette der zur VerfĂŒgung stehenden Waffen genutzt. So sind leichte bis schwere Infanteriewaffen möglich, auch Panzerabwehrwaffen bis hin zu einem rĂŒckstoĂfreien GeschĂŒtz. Den Prototypstatus erreichten dagegen nur das in Zusammenarbeit mit Dynamit Nobel entwickelte Minenwurfsystem (Ă€hnlich dem Minenwurfsystem Skorpion) und auf Basis des LARS ein Artillerieraketensystem. Ebenfalls nicht umgesetzt wurden WaffentrĂ€ger mit 107-mm- und 120-mm-Mörser auf dem Hinterwagen.
Varianten und Nutzer
Die HĂ€gglunds befinden sich weltweit bei den StreitkrĂ€ften von 38 Staaten, darunter acht NATO-Partnern, im Einsatz. So wird das Fahrzeug von Brasilien, Kanada, Chile, VR China, Finnland, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Italien, Ăsterreich, Pakistan, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten verwendet. In ziviler AusfĂŒhrung dient es als Transport- und GerĂ€tefahrzeug in Polargebieten oder auch bei den Organisationen des Katastrophenschutzes.
Deutschland
In der Bundeswehr wird das GelĂ€ndetransportfahrzeug Bv206D seit 1984 eingesetzt und fĂŒhrt ab dem 23. November 1993 auf einen Vorschlag des Divisionskommandos der 1. Luftlandedivision den Beinamen âHuskyâ.cite-ref-4[4] In einem ersten Baulos wurden zwölf Bv206D in der Transportvariante beschafft, um die deutschen Anteile der Allied Mobile Force/Land (AMF/L) und Einheiten der Luftlandebrigade auszustatten. Der Husky diente so in der Luftlandeartilleriebatterie 9 als Zugmittel fĂŒr die Gebirgshaubitze 105 mm und im FallschirmjĂ€gerbataillon 262 als Einsatzfahrzeug.
Durch die positiven Erfahrungen wurde 1989 ein zweites Baulos von 63 HĂ€gglunds in Auftrag gegeben, dem bis 2006 weitere Bestellungen mit zusĂ€tzlichen 89 Fahrzeugen folgten. Insgesamt beschaffte die Bundeswehr 168 Bv206D, die vornehmlich von der Luftlande- und GebirgsjĂ€ger-Truppe eingesetzt werden. Sie dienen als Personen-, Munitions- und TrĂ€gerfahrzeug sowie als Funk- und FĂŒhrungsfahrzeug in unterschiedlicher AusfĂŒhrung. Die Basisversion kann darĂŒber hinaus mit einem RĂŒstsatz ausgestattet werden, der unter anderem Waffenhalterungen und Skiboxen fĂŒr die GebirgsjĂ€gertruppe enthĂ€lt.
Im Rahmen des Beschaffungsvorhabens âFĂŒhrungs- und Transportkraftfahrzeuge, leicht gepanzert und luftverladbarâ war die gepanzerte Husky-Variante Bv206S schon Anfang der 1990er-Jahre ein Kandidat der deutschen StreitkrĂ€fte. Erste Prototypen wurden 1994 erprobt und waren fĂŒr die damaligen KrisenreaktionskrĂ€fte geplant. Seit 2004 werden die Bv206S als SanitĂ€tstransport- und Gefechtsstandfahrzeug verwendet. Es waren zwischenzeitlich 75 SanitĂ€tsfahrzeuge dieser Variante im Einsatz, unter anderem beim KSK, in den SanitĂ€tszĂŒgen der FallschirmjĂ€gerbataillone und den beiden LuftlandesanitĂ€tskompanien der Division Schnelle KrĂ€fte. Im Rahmen eines einsatzbedingten Sofortbedarfes hat Rheinmetall Defence 2007 zusĂ€tzlich vier weitere Ambulanzfahrzeuge an die Bundeswehr ausgeliefert. Die zum âBeweglichen Arzttrupp (BAT)â umgebauten Fahrzeuge wurden in Afghanistan eingesetzt.cite-ref-5[5]
In den Jahren 2006 bis 2009 hat die Bundeswehr zudem 81 Transport- und FĂŒhrungsfahrzeugecite-ref-6[6] des Musters Bv206S fĂŒr die GebirgsjĂ€ger erhalten. Der Kauf von weiteren 42 Bv206S wurde angestrebt. Durch die Beschaffungen der letzten Jahre erhöhte sich somit die Anzahl der in der Bundeswehr im Dienst befindlichen Bv206D/S von 168 Einheiten im Jahr 2003 auf 370 Fahrzeuge im Jahr 2009.cite-ref-7[7]
Zivil werden HĂ€gglunds vom Havariekommandocite-ref-8[8], dem Technischen Hilfswerk und den UmweltĂ€mtern der LĂ€nder genutzt. Die Aufgaben bestehen ĂŒberwiegend im Transport von Mannschaften und GerĂ€t sowie im Transport geborgener Sachen in schwer zugĂ€nglichen Uferbereichen und im Wattenmeer.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10]
Finnland
Finnland bestellte als erster Exportkunde den Bv206. Zwischen 1982 und 1987 wurden 400 Exemplare mit Benzinmotor ausgeliefert. Sie ersetzten den Bandvagn 202. Die Fahrzeuge dienen als WaffentrĂ€ger fĂŒr Mörser und Panzerabwehrwaffen sowie zum Material- und Personentransport.
Anfang der 1990er-Jahre ergÀnzten die finnischen StreitkrÀfte die Fahrzeuge durch den Bandvagn NA-110 und NA-114 BT. Sie gleichen optisch und technisch dem HÀgglunds, sind jedoch Fahrzeuge des finnischen Unternehmens Sisu Auto.
Frankreich
Frankreich bestellte im Oktober 1992 erstmals 50 Bv206D, davon 32 fĂŒr die 27. GebirgsjĂ€gerbrigade (27e Brigade d'Infanterie de Montagne) und 18 fĂŒr das 3. Infanterieregiment der Fremdenlegion (3e RĂ©giment Ă©tranger d'infanterie) in Französisch-Guayana. Die Varianten erstrecken sich auf Personal- und Materialtransport in der Basisvariante sowie als Hakenabrollsystem. Insgesamt sollten bis 2015 in den Versionen Bv206D und Bv206 223 Fahrzeuge beschafft werden.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]
Italien
1982 bestellte das italienische MilitĂ€r 30 Bv206 als Material- und Personentransportfahrzeug. Vom V6-Benzinmotor angetrieben wurden sie den Alpini zugeteilt. Von den ab 1986 beschafften 53 Bv206 dienen drei als WaffentrĂ€ger fĂŒr das Waffensystem TOW und verfĂŒgen somit ĂŒber ein Planenverdeck. Zwischen 1999 und 2003 wurden die Fahrzeuge einer NutzungsdauerverlĂ€ngerung unterzogen und auf den Stand Bv206D mit 6-Zylinder-Dieselmotoren gebracht. Gleichzeitig wurden zwölf weitere Bv206 bestellt und der Bv206S erprobt. Insgesamt wurden 189 Bv206S bestellt und zwischen 2004 und 2007 ausgeliefert. Die als Veicolo Cingolato Blindato Bimodulare (deutsch âbimodulares gepanzertes Kettenfahrzeugâ) gefĂŒhrten Fahrzeuge werden als Ambulanz, Transport-, Tank-, Funk-, Berge- und Instandsetzungsfahrzeuge bei den Gebirgstruppen eingesetzt.
Kanada
Kanada kaufte 78 Bv206 zwischen 1983 und 1985. Die Basisvariante dient als Material- und Personentransporter, Ambulanzfahrzeug, Gefechtsstandfahrzeug und Zugfahrzeug fĂŒr die leichte Feldhaubitze GIAT CN 105 LG 1. FĂŒr das Waffensystem TOW und die Mörser wurde die Variante mit Planenverdeck gewĂ€hlt.
Als GerĂ€tschaften des mobilen Eingreifverbandes AMF wurden einige Bv206 in Norwegen stationiert und eingelagert. Im Kalten Krieg sollten sie als Transportmittel fĂŒr die kanadischen Truppen dienen, die an der Nordflanke des VerteidigungsbĂŒndnisses eingesetzt wurden. Bei der Operation Anaconda in Afghanistan wurden Fahrzeuge durch Kanada eingesetzt, die durch CH-47-Transporthubschrauber luftverlastet wurden.
Niederlande
Die Korps Mariniers der niederlĂ€ndischen Marine (Koninklijke Marine) erhielten zwischen 1990 und 1992 Bv206D als Ersatz fĂŒr den Bandvagn 202. Die 156 Fahrzeuge werden als Mannschaftstransportfahrzeug genutzt und durch verschiedene RĂŒstsĂ€tze als MörsertrĂ€ger, Gefechtsstandfahrzeug sowie als Panzerabwehrfahrzeug mit dem Waffensystem M47 Dragon sowie dem Nachfolger Spike genutzt.
Die Bv206D wurden 2001 zusĂ€tzlich mit einer Drehringlafette ausgestattet und mit einem Browning M2 bewaffnet. Die Fahrzeuge wurden in Kambodscha, Bosnien, Haiti, Eritrea und dem Irak eingesetzt. Mit dem Zukauf des Nachfolgers BvS10 werden 74 Fahrzeuge ausgemustert. Die verbliebenen 82 Exemplare werden generalĂŒberholt.
Norwegen
Norwegen kaufte zwischen 1981 und 1985 ĂŒber 4100 Fahrzeuge beim Unternehmen HĂ€gglunds Vehicle AB und ist damit zweitgröĂter Nutzerstaat. Ende der 1990er-Jahre wurden alle Bv206, die ĂŒber keinen 6-Zylinder-Dieselmotor verfĂŒgten, auĂer Dienst gestellt. Sie dienen dem MilitĂ€r als Material- und Personentransporter, MörsertrĂ€ger, Funk- und FĂŒhrungsfahrzeug, Gefechtsstandfahrzeug, Ambulanzfahrzeug sowie als TrĂ€gerplattform fĂŒr das ArtillerieaufklĂ€rungsradar ARTHUR. Ein GroĂteil der Varianten wurde mit der Drehringlafette NM165 ausgerĂŒstet, an der schwere Infanteriewaffen befestigt werden können.
Im zivilen Bereich wird der HĂ€gglunds unter anderem von der UNIS als Transportfahrzeug fĂŒr die Exkursionen und Expeditionen der wissenschaftlichen Mitarbeiter und Studenten eingesetzt.
Ăsterreich
Das Bundesheer beschaffte 1994 ein Bv206D fĂŒr Erprobungszwecke. Das an der Heereskraftfahrschule untersuchte Fahrzeug wurde mit dem 6-Zylinder-Dieselmotor von Steyr aus dem Bv206S ausgestattet und steht seit dem 5. Dezember 1997 im Dienst. Das im Gebirgskampfzentrum Saalfelden eingesetzte Fahrzeug ist ein EinzelstĂŒck.cite-ref-13[13] Im Juli 2016 wurde bekannt, dass das Bundesheer eine Bestellung von 32 Fahrzeugen des weiterentwickelten Typs HĂ€gglund BvS 10 tĂ€tigen wird. Die Fahrzeuge sind bei den Hochgebirgstruppen im Einsatz.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]
Schweden
Bei den schwedischen StreitkrĂ€ften kommt der Bv206D in allen Truppengattungen zum Einsatz. Von den anfĂ€nglich bestellten 3500 Exemplaren wurde die StĂŒckzahl bis 2006 auf ĂŒber 4500 HĂ€gglunds gesteigert. Sie dienen dem MilitĂ€r als Material- und Personentransporter sowie als WaffentrĂ€ger. So trĂ€gt der PansarvĂ€rnsrobotbandvagn 2063 das Waffensystem TOW oder BILL zur Panzerabwehr. Insgesamt werden ĂŒber 25 RĂŒstsĂ€tze verwendet, vom Funk- und FĂŒhrungsfahrzeug bis zum ArtillerieaufklĂ€rungsradar ARTHUR.
Die gepanzerte Variante Bv206S wird seit 1993 genutzt und als Bv308 gefĂŒhrt. Sie waren bei SFOR und KFOR im Einsatz und werden bei den schwedischen Anteilen der Nordic Battlegroup genutzt. Insgesamt wurden bis Juni 2006 ĂŒber 92 Fahrzeuge in den AusfĂŒhrungen Ambulanz, Personentransport und Wechselladersystem bestellt und ausgeliefert. Die Gesamtkosten beliefen sich auf mehr als 93 Millionen schwedische Kronen.
Spanien
Das spanische Heer bestellte Ende der 1980er-Jahre 40 Bv206. Seit 2003 wird auch die gepanzerte Version vom Heer genutzt. Insgesamt wurden 50 Bv206S bestellt und ausgeliefert. Der gröĂte Teil der in Spanien als TOM (Tractor Oruga de Montaña) gefĂŒhrten Fahrzeuge ist in der GebirgsjĂ€gerbrigade Brigada de Cazadores de Montaña âAragĂłn Iâ im Einsatz.
Vereinigtes Königreich
Die StreitkrĂ€fte des Vereinigten Königreichs erprobten ab September 1981 vier Bv206 mit verschiedenen RĂŒstsĂ€tzen. Zwischen 1986 und 1989 wurden 200 Bv206 mit Benzinmotor bestellt, die zum Teil spĂ€ter auf den Stand Bv206D gebracht wurden. Unter der Bezeichnung All Terrain Vehicle (ATV) gefĂŒhrt dienen sie als MörsertrĂ€ger, als Material- und Personentransporter, Ambulanzfahrzeug, FĂŒhrungs- und Gefechtsstandfahrzeug sowie als Transportfahrzeug fĂŒr die Satellitenfunkanlage VSC501. Die meisten Fahrzeuge werden in der 3 Commando Brigade der Royal Marines eingesetzt. Das Heer nutzte die Fahrzeuge bei ihren Kontingenten der Allied Mobile Force/Land sowie beim IFOR- und SFOR-Kontingent. WĂ€hrend der Invasion des Irak im Jahr 2003 wurden die HĂ€gglunds bei der Operation Telic erstmals durch das britische MilitĂ€r im Kampfeinsatz genutzt.
Die gepanzerte Version Bv206S wurde zugunsten der Weiterentwicklung BvS10 nicht beschafft.
Vereinigte Staaten
Die US Army erprobte in den 1980er-Jahren das Fahrzeug beim Cold Region Test Center in Fort Greely. Zwischen 1983 und 1989 erhielten die StreitkrĂ€fte 1100 Bv206, die unter der Bezeichnung M973/M973A1 Small Unit Support Vehicle eingefĂŒhrt wurden. Eingesetzt wurden die Fahrzeuge bei der 172nd Infantery Brigade, der Alaska-Army-Nationalgarde, aber auch in Deutschland beim Hauptquartier der Allied Command Europe Mobile Forces (AMF). Das United States Marine Corps verfĂŒgt ĂŒber zehn M973 am Mountain Warfare Training Center. Weitere 150 waren im Kalten Krieg in Norwegen fĂŒr die BĂŒndnisverteidigung stationiert.
Weiterentwicklung BvS10
Der BvS10 ist auf Basis des Bv206S komplett neu entwickelt. So wurden die Lenkanlage, der Antrieb, das Chassis und die Panzerung verbessert. Das um knapp 70 cm lĂ€ngere Fahrzeug wurde auch mit einem Minenschutz ausgestattet, um die Besatzung vor SchĂŒtzenabwehrminen mit einer Sprengmasse von 500 g zu schĂŒtzen. Wie seine VorgĂ€nger ist es lufttransportfĂ€hig.
Das Vereinigte Königreich bestellte 2003 fĂŒr die Royal Marines zunĂ€chst 108 BvS10 unter der Bezeichnung âVikingâ. In 2007 erfolgte einer weiter Bestellung ĂŒber 21 zusĂ€tzliche Fahrzeuge, die ab 2008 ausgeliefert wurden.cite-ref-16[16] Von diesen wurden 99 in den Jahren 2012â2016 fĂŒr 37 Millionen Pfund modernisiert.cite-ref-17[17]
Die Niederlande bestellten 2005 fĂŒr das Korps Mariniers der niederlĂ€ndischen Marine 74 BvS10 âVikingâ in vier Versionen, die zwischen 2006 und 2009 ausgeliefert wurden. Im August 2024 gab das NiederlĂ€ndische Verteidigungsministerium bekannt, 28 dieser Fahrzeuge der Ukraine zu ĂŒberlassen. Gleichzeitig wurden PlĂ€ne bekannt, einige dieser Fahrzeuge durch 124 neue BvS10 zu ersetzen, deren Auslieferung 2027 beginnen soll.cite-ref-18[18]
Am 18. Dezember 2009 gaben die Französischen StreitkrĂ€fte eine Erstbestellung ĂŒber 53 BvS10 âVikingâ auf, wobei die Gesamtbestellung 129 Fahrzeuge umfassen sollte. EinschlieĂlich Wartung wurde der Auftragswert auf 220 Millionen Pfund geschĂ€tzt. Die Fahrzeuge wurden im BAE-Werk in Schweden montiert.cite-ref-19[19]
Ăsterreich beschaffte 2018 insgesamt 32 BvS10 fĂŒr die Hochgebirgstruppe des Bundesheeres.cite-ref-20[20]
FĂŒr den zivilen Markt wurde von BAE Systems 2015 der BvS10 Beowulf vorgestellt.cite-ref-21[21]
Ende 2022 wurde bekannt, dass im Rahmen der gemeinsamen Beschaffungsinitiative Collaborative All-Terrain Vehicle (CATV) 436 BvS10 ausgeliefert werden, davon 140 an Deutschland, 236 an Schweden und das 60 an das Vereinigte Königreich.cite-ref-22[22] Im MĂ€rz 2023 folgte die Beschaffung des zweiten Loses Ăberschneefahrzeuge im Rahmen des CATV. FĂŒr das deutsche Heer wurden weitere 227 BvS10 ĂŒber den gemeinsamen Rahmenvertrag mit BAE Systems HĂ€gglunds bestellt. Die Bundeswehr erhĂ€lt somit insgesamt 367 Fahrzeuge. ZunĂ€chst sollen 2025 vier Nachweismuster geliefert werden, die vom BAAINBw einer integrierten NachweisfĂŒhrung unterzogen werden. Der weitere Zulauf soll im Zeitraum 2026 bis 2028 erfolgen mit jeweils 40, 40 und 56 Fahrzeugen als Jahrestranchen. Die 227 Fahrzeuge des zweiten Loses sollen bis 2030 ausgeliefert sein.cite-ref-23[23]
Technische Daten
| KenngröĂe | Bv206D [ 1 ] | Bv206S [ 1 ] |
|---|---|---|
| LĂ€nge | 6,90 m | 6,92 m |
| Breite | 1,87 m | 2,00 m |
| Höhe | 2,30 m 2,45 m | 2,0 m |
| Gesamtgewicht | 6,74 t | 7,0 t |
| dv. Nutzlast | 2,04 t | 1,55 t |
| Antrieb | R5-/R6-Dieselmotor ( Mercedes-Benz ) | Reihensechszylinder-Dieselmotor M16 ( Steyr ) |
| Leistung | 92 kW/100 kW | 130 kW bei 3800/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 50 km/h (Land) 3 km/h (Wasser) | 52 km/h (Land) 4,7 km/h (Wasser) |
| Reichweite | 330 km | 300 km |
| Bodendruck | 1,4 N/cmÂČ / 0,14 kg/cmÂČ | 1,6 N/cmÂČ / 0,163 kg/cmÂČ |
| BatteriekapazitÀt | 24 V DC, 100 Ah | 24 V DC, 100 Ah |
Siehe auch
Literatur
âą JĂŒrgen Plate, Lutz-Reiner Gau, Jörg Siegert: Deutsche MilitĂ€rfahrzeuge. 2. Auflage. Motorbuch, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02152-8.
⹠Bv206 Husky. HÀgglunds MehrzweckgelÀndefahrzeug im Dienste der Bundeswehr und anderer Armeen (= MilitÀrfahrzeuge Spezial. Nr. 5015). Tankograd.
Weblinks
Commons
: HĂ€gglunds Bv206
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Das Alvis HĂ€gglunds Bv206 All Terrain Vehicle
âą 60 Sekunden Bundeswehr: HĂ€gglunds (YouTube-Video ĂŒber den HĂ€gglunds Bv206D, 29. Mai 2019)
Einzelnachweise
cite-note-techdata-a-11. â gemÀà DatenblĂ€tter und Bedienungsanleitung von BAE Systems HĂ€gglunds und Rheinmetall Defence
cite-note-22. â Carl Schulze: Bv206 Husky â HĂ€gglunds MehrzweckgelĂ€ndefahrzeug im Dienste der Bundeswehr und anderer Armeen (= Tankograd â MilitĂ€rfahrzeuge Spezial. No 5015). Tankograd Publishing â Verlag Jochen Vollert, S. 41.
cite-note-33. â Carl Schulze: Die Entwicklung â Vom Bv202 zum Bv206. In: Bv206 Husky â HĂ€gglunds MehrzweckgelĂ€ndefahrzeug im Dienste der Bundeswehr und anderer Armeen (= Tankograd â MilitĂ€rfahrzeuge Spezial. No 5015). Tankograd Publishing â Verlag Jochen Vollert, S. 10â11.
cite-note-44. â Carl Schulze: Der Bv206D bei der Bundeswehr. In: Bv206 Husky â HĂ€gglunds MehrzweckgelĂ€ndefahrzeug im Dienste der Bundeswehr und anderer Armeen (= Tankograd â MilitĂ€rfahrzeuge Spezial. No 5015). Tankograd Publishing â Verlag Jochen Vollert, S. 21.
cite-note-55. â Pressemitteilung Rheinmetall Defence: In Rekordzeit konzipiert und ausgeliefert â Vier SanitĂ€tsfahrzeuge vom Typ Beweglicher Arzt-Trupp fĂŒr den Einsatz in Afghanistan (Memento vom 28. November 2010 im Internet Archive) (Oktober 2007); abgerufen am 17. Mai 2023
cite-note-66. â bundeswehr.de, Suchbegriff Bv 206 â Bericht: Duro und HĂ€gglund fĂŒr mehr Sicherheit vom 14. September 2005
cite-note-77. â Bundeswehrplan 2009
cite-note-88. â Zwei Ketten fĂŒr den KĂŒstenschutz. Landkreis Friesland, 8. MĂ€rz 2011, abgerufen am 26. Oktober 2013.
cite-note-99. â HĂ€gglunds als leichtes Kettenfahrzeug am Deich bewĂ€hrt. Technisches Hilfswerk, 28. August 2002, abgerufen am 26. Oktober 2013.
cite-note-1010. â "Tag der Meere" in Cuxhaven. Cuxhavener Nachrichten, 20. Mai 2010, abgerufen am 5. Mai 2017.
cite-note-1111. â Carl Schulze: Internationaler Einsatz â Frankreich. In: Bv206 Husky â HĂ€gglunds MehrzweckgelĂ€ndefahrzeug im Dienste der Bundeswehr und anderer Armeen (= Tankograd â MilitĂ€rfahrzeuge Spezial. No 5015). Tankograd Publishing â Verlag Jochen Vollert, S. 43.
cite-note-1212. â Heeresstrukturplanung 2015 der StreitkrĂ€fte Frankreichs
cite-note-1313. â Das Alvis HĂ€gglunds Bv206 All Terrain Vehicle beim Bundesheer
cite-note-1414. â Bundesheer kauft 32 GelĂ€ndefahrzeuge "HĂ€gglund". Die Presse, 1. Juli 2016, abgerufen am 27. Juli 2016.
cite-note-1515. â Fahrzeugbeschreibung mit Fotos und Videos vom Einsatz beim österreichischen Bundesheer. bundesheer.at, abgerufen am 29. Juli 2021.
cite-note-1616. â Further Viking Armoured Vehicle Buy will Protect UK Troops. In: BAE Systems. 2. Mai 2007, archiviert vom Original am 22. September 2007; abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
cite-note-1717. â Versatile Vikings' ÂŁ37 million upgrade completed. In: Ministry of Defence. 19. April 2016, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
cite-note-1818. â Netherlands send 28 Viking BVS10 amphibious vehicles to Ukraine. In: army-technology.com. 2. September 2024, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).
cite-note-1919. â France spurns domestic group for BAE vehicles. In: Times Online. 23. Dezember 2009, archiviert vom Original am 12. Juni 2011; abgerufen am 18. September 2025.
cite-note-2020. â Bundesheer beschafft 32 HĂ€gglunds-GelĂ€ndefahrzeuge. hartpunkt.de, 4. Juli 2016, abgerufen am 18. September 2025.
cite-note-2121. â Produktseite von BAE Systems zum BvS10 Beowulf
cite-note-2222. â Deutschland, Schweden und GroĂbritannien beschaffen gemeinsam 436 BvS10 ATV. In: wehrtechnik.info. 17. Dezember 2022, abgerufen am 9. April 2023.
cite-note-2323. â Gerhard Heiming: 2. Los CATV Ăberschneefahrzeuge gebilligt. In: EuropĂ€ische Sicherheit & Technik (esut.de). 3. April 2023, abgerufen am 9. April 2023.